Hände weg von Oe1 und blauen ORF Seiten !

Wie fast immer hier ein Zitat, weil ich es nicht besser formulieren könnte —

Content statt Köchel? Kontra! Nach orf.at geht es nun Ö1 an den Kragen.

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 849

ARMIN THURNHER — 04.10.2022er!

Die Managerin eines öffentlich-rechtlichen Senders, welche die Fangphrase „mehr Content statt Köchel-Verzeichnis“ vorbringt, gehört umstandslos gefeuert. Auch wenn sie den gleichen Nachnamen trägt wie der erzürnte Autor.

Andererseits würde ich diese Phrase gern in meterhohe Buchstaben aus Beton gegossen sehen, die ich zu einem Riesendenkmal der Ignoranz aufeinandertürmen würde, das vor dem nun ganz und gar asbest- und geistbefreiten Küniglberg aufgestellt würde, jener ORF-Zentrale, wo sich neuerdings im sogenannten Nussruhm sämtliche redaktionell tätigen Anstaltsmenschen zentral einfinden, um einander jenes hirngetriebene und hoffentlich bisher halbwegs sensible Miteinander abzugewöhnen, das man in Zeiten halbwegs vernunftgeleiteten Publizierens noch Redaktion nannte.

Diese Newsrooms sind – abgesehen von politischen Kontrollphantasien nach dem Muster des Foucault’schen „Überwachen und Strafen“ – vor allem die Ausgeburt managerieller Phantasien von Mediengeschäftsleuten, die keine Ahnung haben, was Journalisten brauchen, um gute Medien zu schaffen. Diese Räume sind – zumindest gedanklich (wenn sich dieses Adjektiv in diesem Zusammenhang nicht verbietet) – meist konzentrisch um ein hierarchisches Ego im Zentrum angeordnet, das sich dann durch notorische An-, meist aber Abwesenheit als Vakuum herausstellt.

Ja, der Content und der Newsroom, da fehlt nur noch die Pipe, durch die das alles rinnt, transportables Content-Material für den Container, das besser beim Spediteur oder auf dem Mistplatz aufgehoben wäre als bei solchem Leitungspersonal, das mit vorgefertigten „zitablen“ Messages seine Überforderung kontrolliert zu verbergen sucht.

Der Satz „mehr Content als Köchelverzeichnis“ ist derartig abgründig seicht, dass man ihn sich näher anschauen muss, was sogleich zur größtmöglichen Ferne führt. „Content“ soll vermutlich so etwas wie Inhalt bedeuten. „Köchel“ wäre dann nur die managerielle Abkürzung für das verachtenswerte Zeug dieser sogenannten kreativen Querköpfe und kommerziell unbrauchbaren „Kreativen“, dieses schwer verkäuflichen Gezüchts, das sich an Musik, Literatur und Kino anklammert, vorgeblich für politische Absonderlichkeiten wie die Verbesserung der Welt und die Gestaltung der Gesellschaft nach vernünftigen Grundsätzen. Entstünde „Content“ dann, wenn es gelingt, aus jenem krausen „Kunst“-Zeug der Sonderlinge, indem man es durch Pipes jeglicher Art zu sogenannten Zielgruppen bläst, doch noch „Reichweite“ zu produzieren? Also nichts anderes als eine Ware?

Selbst wenn das so gemeint wäre, gäbe es nichts weniger Angemessenes als den Gegensatz zu Mozarts Werk, für das ja wohl das Köchelverzeichnis stehen soll. Selbst vom Content-Standpunkt ist Mozarts Musik nämlich ein Quotenbringer. Gälte das Urheberrecht noch für ihn, könnten sich Thurnher und Weißmann nicht einmal einen Zipfel dieses Contents leisten. Der von Mozart geschaffene materielle Reichtum ist in der Tat unvorstellbar groß, und ich weise nur auf die kaufmännische Dimension hin, um das Riesenmaß des Banausentums sichtbar zu machen, das hinter dem Satz „Mehr Content, weniger Köchelverzeichnis“ steht und den spirituellen Reichtum Mozarts dessen Warenform abwertend gegenüberstellt.

Ingrid Thurnher sagt auch: „Natürlich hat Ö1 als Info- und Kultursender auch eine Aufgabe als Kulturproduzent. Das ist eine wirkliche Funktion von Ö1, die wir nicht aufgeben dürfen. Aber vielleicht geht nicht mehr alles, was bisher gegangen ist.“

Was aber wird gehen, wer wird es feststellen? „Um den heutigen Radiomarkt zu beurteilen, muss man sich auch den Hörgewohnheiten der Menschen näher zuwenden. Das tun wir mit einer sogenannten Audiomarkt-Studie, mit der wir erheben wollen: Wann hören die Menschen warum welches Radio, welche Angebote, was verbinden sie damit, was erwarten sie davon? Aus dieser Studie erhoffen wir uns Aufschluss, womit wir es auf dem Audiomarkt zu tun haben – also nicht nur Radio, sondern auch Streaming wie Spotify.“

In dieser Sprache will ich nicht über meinen Sender sprechen hören.

Eine über Ö1 herrschende Radio-Chefin sollte wissen: Dieser Sender definiert sich geradezu dadurch, dass er nicht mit „Audiomarktstudien“ gemessen werden kann. Ö1 ist der klingende Gegensatz zu Formatradio. Dieses wird in Audiomarktstudien gemessen, Ö1 trotzt solchen Studien. Es ist Teil der Kultur dieses Landes. Es ist Team Köchel, um es milieukompatibel auszudrücken, nicht Team Content.

Radiodirektorin Ingrid Thurnher hat sich vermessen, ehe die Messung überhaupt begann. Das lahme Zurückrudern des ORF-Generaldirektors Roland Weißmann, der von all dem überhaupt nicht überrascht wurde, täusche niemanden. Es ist zu befürchten, dass wir hier und bei den „blauen Seiten“ den ersten Akten eines größeren Dramas beiwohnen, das da heißt: Ehe es mit dem Neoliberalismus politisch vorbei ist, schlachten wir noch schnell jene heilige Kuh, die ihm medial aus Prinzip im Wege stehen sollte: den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

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Energie-Casinos schließen!

(Zitat Attac Newsletter 8.9.2022)

  Das Energiecasino schließen!  
  An den Börsen spielen die Preise für Energie seit Wochen verrückt. Die Regierungen versuchen die exorbitant gestiegenen Preise für Energie mit Strompreisbremsen (siehe unten) und die grundsätzlichen Teuerungen mit immer neuen Unterstützungen zu dämpfen. Doch die grundsätzliche Frage bleibt offen: Warum zum Teufel liefern wir unsere Energie, unsere Daseinsvorsorge, solch riskanten Mechanismen wie spekulationsgetriebenen Finanzmärkten aus? „Wir müssen daher die Liberalisierung der Energiemärkte hinterfragen und eine öffentliche Regulierung schaffen.“ Das war das zentrale Statement von Lisa Mittendrein von Attac bei einer Expert*innen-Diskussion auf standard.at zum Thema Energiemärkte:  

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Meine Pension ist ca. 10 x so „hoch“ wie die des Kanzlers?

(Zitat aus Armin Thurnhers FALTER.maily# 879 vom 22. August 2022:)

Heute früh verblüffte mich die Kronen Zeitung. Dieses Blatt, einst gegründet, um die österreichischen Massen zart nach Mitte Links zu lenken, wie man das früher einmal formuliert hätte, weist eine beklagenswerte Geschichte als Brandbeschleuniger fremdenfeindlicher und rechtsextremer Ressentiments auf. Zwischendurch betrieb es immer wieder die Agenda sozialdemokratischer Kanzler oder Wiener Bürgermeister, aber stets so, dass die Interessen des Blattes gewahrt bleiben: dass es von der Politik bekommt, was es braucht.

Heute früh jedoch las ich im Newsletter des Krone-Chefredakteurs: „Wie viele monatliche Pensionsauszahlungen braucht es, um auf das Gehalt des Bundeskanzlers zu kommen? Dieser Frage gingen unsere Reporter nach und siehe da – Es sind exakt 13 österreichische Pensionisten notwendig, um auf das Salär zu kommen. Erschütternd dabei ist: Die Durchschnittspension für Männer liegt laut Sozialversicherungen bei 1858 Euro, Frauen bekommen mit 1150 Euro gar um fast 40 Prozent weniger. Inmitten der für viele unerträglichen Teuerungswelle ist für diese 13 Menschen – sie stehen exemplarisch für die allermeisten Pensionisten – unverständlich, warum eine höhere Pensionsanpassung schier unmöglich ist.“

Ja, das ist klar. Das ist ungerecht, die Pensis bekommen zu wenig. Die Erhöhung der Pensionen unter der Inflationsrate zu halten ist entwürdigend. Aber das Salär des Bundeskanzlers als Vergleich herzunehmen und nicht etwa jenes des Krone-Chefredakteurs heranzuziehen, ist auch nicht ganz sauber.

Des weiteren meine ich, man kann ruhig eine Diskussion über Relationen beginnen. Wenn der Bundeskanzler der Republik Österreich ein Zehntel dessen verdient, was ein österreichischer Topmanager einstreicht, stimmt etwas nicht. Im Vergleich zu Managern großer Fonds wie Blackrock verdient Nehammer gar nur ein Hundertstel (Blackrock-Chef Larry Fink nimmt 30 Millionen Dollar jährlich, sein bester Hedgefonds-Manager bekommt dreimal so viel). Höre ich da jemanden „Neiddebatte!“ blöken? Das wäre die übliche Antwort. „Freiheit des Marktes“ ist die nächste. Leistung soll sich lohnen, heißt es. Aber keines Menschen Leistung kann tausendmal so viel wert wie die eines anderen. Selbstbegrenzungen funktionieren offenbar nicht. Wenn wir uns unsere Freiheiten erhalten wollen, sollten wir also wohl oder übel über Grenzen sprechen. Auch wenn Initiativen zur Begrenzung von Managergehältern in der Schweiz abgeschmettert wurden: die Dominanz der Finanzwirtschaft, die sich in solchen Missverhältnissen ausdrückt, muss eingehegt werden.

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Energiekonzerne sind Krisengewinner

Sie verdienen sich deppert

Grafik aus Twitter – 30.07.2022

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Von Menschen gemachte Klimakatastrophe – ja? Echt?

Zitat aus Spiegel online

Christian Stöcker

Umgang mit der Klimakrise Was gegen die Verdrängung hilft

Eine Kolumne von Christian Stöcker

Der Klimanotstand ist nicht mehr zu ignorieren, trotzdem mangelt es an Handlungsbereitschaft. Das hat auch psychologische Gründe – wir denken erst um, wenn wir selbst Katastrophen erleben. So bitter es klingt: Das werden wir.

24.07.2022, 14.31 Uhr

Foto: NASA Earth Observatory

Die Klimaforscherin Friederike Otto hat der »taz« diese Woche  einen beklemmenden, wenn auch nicht überraschenden Satz gesagt: »Wir müssen auch in Europa lernen, dass Wetter tödlich sein kann.« Wir müssten lernen, uns zu schützen. Noch ist nicht sicher, wie viele Menschen den extremen Temperaturen dieser Woche zum Opfer gefallen sind, hierzulande und weltweit, aber dass diese extreme Hitzewelle Todesopfer gefordert hat, ist sicher .

Christian Stocker:Jahrgang 1973, ist Kognitions­psychologe und seit Herbst 2016 Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Dort verantwortet er den Studiengang Digitale Kommunikation. Vorher leitete er das Ressort Netzwelt bei SPIEGEL ONLINE.

Dass die schlimmste wetterbedingte Katastrophe der deutschen Nachkriegsgeschichte gerade erst ein Jahr her ist, rutscht angesichts der aktuellen Nachrichtenlage schon wieder fast in den Hintergrund. Starkregen wird durch die Erderhitzung wahrscheinlicher, auf Hitzewellen trifft das noch ungleich stärker zu, und, so Friederike Otto: »Hitzewellen sind mit Abstand die tödlichsten Extremwetterereignisse, die wir in Europa haben.« Europa, heißt es in einer kürzlich erschienen »Nature«-Studie , ist ein »Hitzewellen-Hotspot«.

Und die Hitzewelle betrifft nicht nur Europa, sondern weite Teile des Planeten.

Dass wir längst mittendrin stecken in der Klimakrise, sollte nun wirklich für alle offensichtlich sein. Trotz alledem gibt es weiterhin Menschen, die die menschengemachte Erwärmung nicht wahrhaben wollen. In Deutschland sind das einer britischen Studie zufolge immer noch 18 Prozent . »Es ist eben Sommer«, konnte man diese Woche in den sozialen Medien häufiger lesen. Natürlich wird diese Position mit jedem weiteren Extremwetterereignis noch absurder, aber sie ist immer noch da.

Viel problematischer ist aber mittlerweile etwas anderes: Die meisten Menschen wissen oder ahnen jetzt, dass das, was die Klimaforschung seit Jahrzehnten ankündigt, jetzt wirklich eintritt, und zwar oft schneller als erwartet. Sie ziehen daraus aber keinerlei Konsequenzen. Noch nicht ganz so klar scheint vielen zu sein, dass wir weiterhin erst am Anfang einer Periode stehen, in der es immer heißer, immer extremer werden wird. Das schlägt sich aber auch in der Berichterstattung noch nicht ausreichend nieder – oder wie viel haben Sie vom »Petersberger Klimadialog« diese Woche mitbekommen?

Nur ein Drittel »sehr besorgt«

Der oben zitierten Befragung zufolge sind nach wie vor nur 34 Prozent der Deutschen »sehr besorgt« über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Zukunft der Menschheit, weitere 45 Prozent »etwas besorgt«. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in den übrigen europäischen Ländern, die in der Studie vorkommen. Das ist eine enorm verzerrte Wahrnehmung der Realität.

Am größten ist die Sorge in Italien, am geringsten in Norwegen – was viel mit persönlichen Erfahrungen mit Extremwetter, Hitze und Dürre zu tun haben dürfte. Interessanterweise wachsen die Anteile der Besorgten, wenn nicht nach der Menschheit, sondern nach »künftigen Generationen« gefragt wurde. Um deren Klimazukunft sorgen sich in Deutschland demnach immerhin fast die Hälfte »sehr« und weitere 34 Prozent »etwas«.

Noch immer fehlen die Mehrheiten

Für wirklich entschlossenes Gegensteuern scheinen aber weiterhin die politischen Mehrheiten zu fehlen. Der jetzt regelmäßig in Deutschland durchgeführten Planetary Health Action Survey (PACE)  zufolge ist die Bereitschaft, in Sachen Klima zu handeln – individuell wie politisch – in Deutschland sehr ungleichmäßig verteilt.

Am weitesten verbreitet ist Handlungsbereitschaft bei den Wählerinnen und Wählern der Grünen (82 %), am wenigsten bei denen von AfD (21 %) und FDP (26 %). Das erklärt vermutlich auch Teile des Verhaltens von FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner und Verkehrsminister Volker Wissing. Und natürlich der massive Einfluss von Porsche auf die FDP-Spitze, den »Die Anstalt« diese Woche enthüllte . Demnach brüstete sich Porsche-Chef Oliver Blume bei einer Betriebsveranstaltung, Lindner habe ihn während der Koalitionsverhandlungen »fast stündlich auf dem Laufenden gehalten«. Nicht alles ist Psychologie, vieles auch nur knallharte, skrupellose Klientelpolitik.

Unter den Wählerinnen und Wählern der SPD sind immerhin fast zwei Drittel (62 %) handlungsbereit in Sachen Klima, unter denen der Union aber weniger als die Hälfte (42 %).

Psychologische Grundkonstanten

Für dieses (Ver-)Zögern im Angesicht der Katastrophe gibt es – neben fossiler Propaganda und Lobbyeinfluss – eine ganze Reihe von psychologischen Erklärungen.

Die einfachste und kürzeste ist das moderne Äquivalent dessen, was Freud »Verdrängung« genannt hätte. Im Jargon der Kognitionspsychologie heißt das: Dissonante Information wird abgewertet, konsonante Information wird aufgewertet. Wenn wir etwas wissen, das eigentlich mit unserem eigenen Verhalten oder unseren Einstellungen unvereinbar ist, dann suchen wir Menschen nach Informationen und Deutungen, die den Widerspruch zu reduzieren scheinen. Deshalb kennt jeder Raucher einen Raucher, der 90 Jahre alt geworden ist.

Beim Klima klingt das so: »Ist eben Sommer.« »Deutschland stellt nur ein Prozent der Weltbevölkerung.« »Aber China.« »Wir brauchen Technologieoffenheit.« »Wir tun doch schon mehr als andere.«

Was man eher selten hört oder liest: »Wir stehen auf Platz vier der größten Treibhausgas-Emittenten  der Geschichte, die EU auf Platz zwei.«

Wir sind inkompetente Zocker

Christian Stöcker

Ein zweites psychologisches Phänomen, mit dem wir uns selbst im Weg stehen, ist unser leider in Klimafragen äußerst selbstzerstörerischer Umgang mit Risiken. Wir sind eher bereit, Risiken einzugehen, wenn es um mögliche Verluste geht , weniger bei Gewinnen. Gibt es eine kleinere Summe sicher zu gewinnen, eine größere nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, wählen die meisten Versuchspersonen den sicheren, kleineren Gewinn.

Dreht man die Versuchsanordnung um, ändert sich das Bild: Wenn es um einen kleineren, sicheren Verlust und einen nicht völlig sicheren, aber größeren Verlust geht, sind viele Versuchspersonen plötzlich risikofreudig und nehmen den großen Verlust in Kauf. Fatal, wenn es um die Zukunft der Menschheit geht.

Analog dazu entscheiden sich Versuchspersonen, die die Wahl haben, eine kleinere Belohnung bald zu bekommen, eher dafür als für eine größere, auf die sie länger warten müssten. Noch schlimmer wird dieser Effekt, wenn auch nur ein Hauch Unsicherheit über die zu erwartenden Folgen herrscht.

Die Gefahr der »psychologischen Distanz«

Tatsächlich sind die Verluste, die uns die Klimakrise beschert, schon jetzt sichtbar und die künftigen so gewaltig, dass diese Woche sogar die »Börse vor Acht« in der ARD  sich diesem Thema widmete.

Wer bremst, verliert

Weniger häufig wird über die fantastischen Gewinne gesprochen, die uns schnelle, entschlossene Abkehr von fossilen Brennstoffen bringen kann. Aber auch hier wirken, in beiden Fällen, die jahrzehntelangen, glasklar dokumentierten  Lobbybemühungen der Fossilbranchen bis heute nach – vielen scheint bis heute noch nicht so recht klar zu sein, wie gewaltig die Gefahr ist, in der wir alle schweben. Nicht erst unsere Kinder und Enkel, aber die natürlich noch mehr.

Mit diesem Phänomen verwandt ist ein weiteres, ebenfalls empirisch gut dokumentiert: Menschen sind weniger bereit, ihr Verhalten zu ändern, wenn die vermuteten Konsequenzen des »Weiter so« weit weg scheinen. Räumlich oder zeitlich . Man nennt das schlicht »psychologische Distanz«.

In diesem Bereich allerdings ändert sich, zumindest hierzulande, möglicherweise gerade etwas. Die Unübersehbarkeit und ständige Zunahme zerstörerischer Wetterereignisse, die Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren, auch hier bei uns, tun eins mit Sicherheit: Sie reduzieren die psychologische Distanz zum Thema Klimakrise.

Wo Propaganda ansetzt

Das gilt insbesondere dann, wenn die Menschen den Zusammenhang begreifen – was ein Grund ist, dass die Prediger des »Weiter so« den zweifelsfreien Zusammenhang zwischen mehr Extremwetter und Erhitzung weiterhin ständig in Zweifel zu ziehen versuchen. Das ist eine – natürlich absolut selbstzerstörerische – Propagandamaßnahme, die funktionieren kann, wie eine britische Überblicksstudie zeigt .

Daraus folgt: Sowohl verantwortungsbewusste Medien als auch Politiker müssen der immer noch virulenten Propaganda wesentlich entschlossener entgegentreten. Die Fossilbranchen sind bereit, die Zukunft der Menschheit aufs Spiel zu setzen. Es wird Zeit, sie entsprechend zu behandeln.

Dass persönliche Erfahrungen mit katastrophalen Ereignissen die Einstellung zu klimabezogenen Fragen ändern kann, zeigt eine Studie aus Australien, die im jüngsten Bericht der Uno-Organisation für Risikobewertung  (UNDDR) zitiert wird: Der Aussage »aktuelle Buschbrände zeigen die Kosten des Nichthandelns beim Klimaschutz« stimmten zum Beispiel 79 Prozent derjenigen zu, die direkte Auswirkungen der Brände, und sei es nur Qualm, erlebt hatten, aber nur 48 Prozent der nicht persönlich Betroffenen. Kurz gesagt: Man muss viele Menschen mit der Nase darauf stoßen, damit sie begreifen, was wirklich los ist.

Was sonst noch hilft

Die wachsende Katastrophenfrequenz wird, so bitter das ist, in Zukunft hoffentlich helfen, Mehrheiten für die dringend notwendigen politischen und wirtschaftlichen Weichenstellungen zu schaffen. Weitere Faktoren, die die Handlungsbereitschaft steigern können, sind laut der oben zitierten Pace-Studie:

  • die Wahrnehmung von klimabedingten Gesundheitsrisiken
  • Vertrauen in Institutionen
  • soziale Faktoren – »die anderen machen auch mit«
  • eine hohe wahrgenommene Selbstwirksamkeit
  • mehr Wissen über Umwelt- und Klimathemen

Wichtig wäre für die Zukunft der Menschheit aber auch, dass sich die psychologische Distanz zum Thema Klimawandel in den USA sehr schnell ändert. Laut einer aktuellen Umfrage der »New York Times«  betrachten dort nur ein Prozent der Wählerinnen und Wähler die Klimakrise als das wichtigste politische Thema. Kombiniert mit schwerreichen, von den Fossilbranchen finanziell vollständig abhängigen Politikern  wie dem Senator Joe Manchin (Demokraten) ist das eine verheerende Mischung.

Die fossilen Lobbyorganisationen in den USA agieren weiterhin absolut skrupellos. Sie kaufen sich Richterinnen und Richter, ja sie finanzieren sogar weiterhin jene Politikerinnen und Politiker , die Donald Trumps Coup-Versuch unterstützt haben.

All das spricht erst recht dafür, dass Europa es vormachen muss: Dass eine klimafreundliche Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft nicht nur überlebenswichtig und möglich ist, sondern auch geopolitisch, wirtschaftlich – und natürlich was die Lebensqualität angeht – extrem erstrebenswert. Wir wissen längst, wie das geht.

Zitat Spiegel Ende

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Wer hat Interesse am Weltuntergang ?

Zitat Spiegel online:

ps://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/supreme-court-urteil-im-wuergegriff-der-feinde-der-menschheit-kolumne-a-b5397f8a-415b-4787-a3b3-e189b243273d?sara_ecid=nl_upd_1jtzCCtmxpVo9GAZr2b4X8GquyeAc9&nlid=dijfzrvb

Christian Stöcker

Supreme-Court-Urteil zum Klimaschutz Im Würgegriff der Feinde der Menschheit

Eine Kolumne von Christian Stöcker

Das Supreme-Court-Urteil gegen effektiven Klimaschutz in den USA ist ein Symptom für ein viel größeres Problem: die unglaubliche, globale Macht der Branchen, die uns in den Untergang führen.

03.07.2022, 18.42 Uhr

Wie würden sie reagieren, wenn ich Ihnen sagen würde, dass es eine mächtige, dezentrale globale Verschwörung gibt, die seit Jahrzehnten auf den Untergang der menschlichen Zivilisation hinarbeitet? Bisschen weit hergeholt? Mindestens übertrieben? Jetzt dreht er völlig durch?

Leider ist es aber wirklich so. Diese Woche hat diese globale, dezentrale, aber extrem effektive Verschwörung in den USA deutlicher, als sie das sonst tut, ihr Gesicht gezeigt. Die Karten liegen auf dem Tisch. Aber die Menschheit reagiert nicht. Bislang.

Furchteinflößend«, schreibt die Richterin

In den USA wurde deutlich, worauf die sogenannten Konservativen dort, die in Wahrheit primär willfährige Handlanger der US-Öl-, Gas- und Kohleindustrie sind, seit vielen Jahren hinarbeiten: auf die Möglichkeit nämlich, ihre planeten- und damit zivilisationszerstörenden Geschäftsmodelle vor möglichst jeder Einschränkung zu beschützen.

Natürlich geht es um das Urteil des Supreme Court, des Obersten Gerichtshofs der USA, der der Bundesumweltbehörde EPA massiv erschweren will, die Treibhausgasemissionen von Kraftwerken in den USA zu reglementieren. Die unterlegene Richterin Elena Kagan formulierte es in ihrer von zwei Kollegen mitgetragenen abweichenden Meinung so: »Das Gericht ernennt sich selbst – statt des Kongresses oder der Fachbehörde – zum Entscheider in Sachen Klimapolitik. Mir fallen nicht viele Dinge ein, die ich furchteinflößender finde.« So steht das da wirklich, in einem offiziellen Dokument des Gerichts.

Weitere Entscheidungen zum Thema Klimapolitik stehen vor US-Gerichten an. Es wird so weitergehen, das ist völlig klar. Die Öl- und Kohlebarone der USA, die mit Spenden, Strategien und unzähligen Detailaktivitäten seit Jahren auf diesen Zustand hingearbeitet haben, haben vorerst gesiegt. Die vorher gefällten und noch zu erwartenden Kulturkampfurteile des Gerichts – zum offenen Waffentragen etwa, zum Abtreibungsrecht – sind vor allem Ausstellungsstücke für die massiv polarisierte Wählerschaft, der man diese neue, kaum beschränkte Macht verdankt.

Wer über »Woke« schimpft, macht mit

Die Republikaner haben sich zu einer rechtsextremen Partei entwickelt, der Fakten und sogar die US-Demokratie selbst gleichgültig sind. Darunter leiden werden sehr viele: Frauen, Kranke, Arme, alle Nichtweißen, Homosexuelle, Transmenschen und so weiter. Aber all das ist in Wahrheit vor allem Marketing, Werbebotschaften an den um seine Privilegien fürchtenden weißen, reaktionären Anteil der Bevölkerung. Ihr wirtschaftlicher und gesundheitlicher Abstieg – in keiner Industrienation ist die Lebenserwartung so niedrig wie in den USA 

Jedes Mal, wenn jemand über die schlimmen »Woken« jammert, spielt er dieses Propagandaspiel im Dienste von Öl, Kohle und Geld mit. Symptomatisch: Auch da ziehen Wladimir Putin und die Republikaner an einem Strang.

Die christlichen Fundamentalisten bekommen ihre Unterdrückungsinstrumente, die Waffenfanatiker ihre Sturmgewehre. Und, wenn es schlimm ausgeht, die Republikaner bald die Gelegenheit, Wahlergebnisse ganz legal zu ignorieren . Damit wäre der Coup gewissermaßen perfekt.

Wirklich profitieren werden von alledem aber eben vor allem die Öl- und Kohlebranche. Und andere Superreiche, denen Donald Trump bekanntlich ein gewaltiges Steuergeschenk gemacht hat. Strategisch noch viel wichtiger aber waren all die Richterinnen und Richter, die er in Windeseile in Ämter gehievt hat, über 200 an der Zahl .

Die gleichen Spender, hier wie dort

Die juristische Strategie der Fossilbranchen betrifft bei Weitem nicht nur den Supreme Court der USA, sondern auch diverse andere Gerichte. Man hat im Lauf der Zeit an allen Stellen, auf die es im entscheidenden Moment ankommt, Leute installiert, die dann Urteile fordern oder fällen, die dem eigenen, die Menschheit auf den Abgrund zutragenden Geschäftsmodell zugutekommen.

Die – zu den Republikanern gehörenden, die Kohlebranche vertretenden – Kläger in dem jetzt entschiedenen Fall »West Virginia v. EPA« haben vielfach »die gleichen Spender, die auch hinter den Bemühungen stecken, fünf der Republikaner an das Gericht zu berufen – John G. Roberts, Samuel A. Alito Jr., Neil M. Gorsuch, Brett M. Kavanaugh und Amy Coney Barrett«, wie die »New York Times« berichtet . Coney Barrett, die Trump als Letzte berief, ist eine religiöse Fanatikerin, deren Vater als Anwalt für Shell gearbeitet hat.

Schmutzige Spiele, schmutzige Geschäfte

Drei der sechs, die jetzt für die Fossilbranchen votiert haben, hat Trump ernannt. Einen nur deshalb, weil die Republikaner vorher eine anstehende Nominierung unter Barack Obama so lange blockierten, bis es zu spät war. Die Republikaner spielen schon seit vielen Jahren sehr schmutzige Spiele. Aber es geht ja auch um schmutzige Geschäfte.

Man darf bei alledem nicht vergessen, dass die Fossilbranchen nachweislich seit Jahrzehnten wissen , dass die von ihren Produkten und Praktiken verursachten Treibhausgase den Planeten immer weiter aufheizen, was schon jetzt ständig Katastrophen auslöst. Und dass sie seit Jahrzehnten zunächst sehr erfolgreich dabei waren, diese Tatsache zweifelhaft oder gar falsch erscheinen zu lassen, mit »Thinktanks«, »Stiftungen«, »Studien«, gekauften Wissenschaftlern, Kampagnen, Korruption.lauben Sie nicht mir, glauben Sie  dem des eigennützigen Ökolobbyismus unverdächtigen Uno-Generalsekretär António Guterres:

»Wir scheinen in einer Welt gefangen zu sein, in der die Produzenten und Finanziers fossiler Brennstoffe die Menschheit im Würgegriff haben. Seit Jahrzehnten hat die fossile Brennstoffindustrie massiv in Pseudowissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit investiert – mit einem falschen Narrativ, um ihre Verantwortung für den Klimawandel herunterzuspielen und ambitionierte Klimapolitik zu unterminieren. Sie haben exakt die gleichen skandalösen Taktiken eingesetzt wie die Tabakindustrie in den Jahrzehnten davor.«

Das sagte Guterres am 17. Juni 2022 bei einem virtuellen Klimagipfel großer Industrienationen.

Zum Gesamtbild gehören viele Puzzleteile, alle nur scheinbar unverbunden, alle Teil eines mittlerweile klaren, erschreckenden Gesamtbildes:

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Die Liste ließe sich nahezu beliebig fortsetzen, aber der Kern bleibt immer der gleiche: Die Hersteller von CO₂ haben, wie Guterres sagt, die Welt im Würgegriff. Es gibt eine gewaltige Korrelation zwischen der Förderung und Verteidigung fossiler Brennstoffe und Aktivitäten, die absolut unzweifelhaft schlecht, zerstörerisch sind. Dabei hätten wir längst die Technologien, um uns aus diesem Würgegriff zu befreien. Aktuelles Beispiel: Diese Studie, die vorrechnet, wie Deutschland sich bis zum Winter von russischem Gas unabhängig machen könnte .

Erfolg jahrzehntelanger Bemühungen

Die Lösungen sind da. Dass wir sie immer noch nicht in großem Stil einsetzen, ist ein Erfolg dieser jahrzehntelangen strategischen Arbeit. In den USA, in Europa, in Russland, Australien, Indien, China.

All das klingt für Sie vermutlich immer noch dramatisierend und übertrieben. Dass es das tut, ist ein weiteres Zeichen dafür, wie effektiv die Propagandisten des Fossilen in den letzten Dekaden gearbeitet haben. Das Forum zu dieser Kolumne wird einmal mehr überquellen mit wiedergekäuten Pseudoargumenten aus ihrem jahrzehntelang gepflegten Fundus.

Die Fossilbranchen sind, das ist längst völlig klar, Feinde der Menschheit. Sie haben sich Strategien, Verbündete und Handlanger zugelegt, um so noch möglichst lange weitermachen zu können. Das ist natürlich selbstzerstörerisch, denn auch die Kinder der Öl- und Kohlemanager und ihrer Anteilseigner werden auf einem heißeren, instabilen, in Teilen unbewohnbaren Planeten leben müssen. Aber bei denen, die am Zurasen auf den Abgrund verdienen, sind die kognitiven Abwehrmechanismen, die sie selbst so lange von Profis haben bedienen lassen, offenbar besonders gut ausgebildet. Es ist ein globaler Selbstmordpakt, wie John Kerry das einmal formuliert hat .

Die Fürsten des Fossilen kommen mit fast allem durch

Mittlerweile müssen sie nicht einmal mehr lügen: Obwohl die deutliche Mehrheit der Menschen in den meisten Industrienationen verstanden hat, dass die menschengemachte Klimakrise real ist, kommen die Fürsten des Fossilen weiterhin mit fast allem durch. Sie suchen sich ihre eigenen Richterinnen und Richter aus, sie heben willfährige Politikerinnen und Politiker ins Amt, sie schicken ihre Abgesandten in Talkshows und Forschungseinrichtungen, in Thinktanks, Redaktionen und Beratungsgremien. Man hört ihnen noch immer zu.

Die Botschaft lautet jetzt nicht mehr »Das ist alles nicht wahr«, sie lautet »Wir haben aber auch Rechte« oder, wenn opportun, weicher: »Im Moment müssen wir leider noch so weitermachen, aber wir hören bald damit auf, wirklich, wir haben verstanden.« An ihrem Verhalten aber ändern sie rein gar nichts, im Gegenteil: Viele ihrer Strategien gehen gerade jetzt erst wirklich auf. Das Supreme-Court-Urteil zeigt das einmal mehr. Das Aufweichen des Bekenntnisses zum sofortigen Ausstieg aus fossilen Investitionen beim G7-Gipfel – betrieben vom deutschen Kanzler!  – ist ein weiteres Beispiel für das gleiche verhängnisvolle Phänomen.

Wie ein Junkie oder ein Alkoholiker. Nur ein Schnaps, ein Schuss noch, einer! Und der Dealer lächelt freundlich und verständnisvoll.

Der Uno-Generalsekretär hat recht: »Investoren fördern weiterhin fossile Brennstoffe, Regierungen verteilen weiterhin Milliarden an Subventionen für Kohle, Öl und Gas – gut elf Millionen Dollar pro Minute. Für die Gesundheit unserer Gesellschaften und die des Planeten müssen wir unsere Sucht nach fossilen Brennstoffen beenden. Jetzt.«

“ Zitat aus Spiegel online – Ende

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Im Grunde ändert sich nichts – (Nachtrag zum vorherigen Text) – von 1974!

Im Grunde ändert sich nichts

Und als die Steine rollten, schlossen sie den Höhleneingang,

entfachten das Feuer und beschworen die Geister.

Als alles vorüber war, kamen sie wieder ans Tageslicht

und priesen die Götter.

Und als die Bomben fielen,

krochen sie in die Keller,

entkorkten die letzte Flasche

und beteten leise.

Als der Angriff vorbei war, kamen sie wieder auf die Straße

und lobten die Fliegerabwehr.

Und als sie vom harten Regen hörten,

da wurden sie ängstlich,

wählten eine andere Partei

und hofften auf gleichbleibende Zeiten.

Als der Regen vorbei war, tanzten sie wieder in Diskotheken

und wählten die erfolgreiche Regierung.

Und als der Treibstoff knapp wurde,

da wuchs ihr Groll.

Sie dachten an das Haus im Grünen und forderten Straßenbahn-Nulltarif.

Als dann das Öl wieder rann,

kauften sie ein neues Auto

und priesen das Wirtschaftswachstum.


Und bald, wenn ihr Wirtschaftswunder-Müll,

fast völlig entgiftet und sauber zerkleinert,

in Huhn, in Schwein, in Fisch und Gemüse

ihnen wieder serviert wird,

werden sie die gewohnte Regierung wählen,

ihr Unbehagen in Tabakrauch und Alkohol versenken,

leise beten – und vor der Zeit sterben.

Irmi Novak – Lenikus

23. 5. 1974

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Ein „Weiter wie bisher“ wird es nicht geben können

Den Sozialdemokraten in meinem Umkreis ins Stammbuch:

Wer Umweltschützer und Naturliebhaber als „Häusln“ bezeicvhnet zeigt, dass er nichts, aber auch gar nichts von der derzeitigen Klima-Situation begriffen hat – und offensichtlich auch gar nicht begreifen will.

Das gilt sowohl für den Vorsteher eines östlichen Wiener Bezirks als auch für den Bürgermeister, der zu dieser unsäglichen Meldung auch noch zustimmend kicherte.

In einer Diskussion mit Teilnehmern aus den Reihen der Jungen Generation der SPÖ vor vielen Jahren (war es 1978?) hat Paul Blau, der vormalige Chefredakteur der Arbeiter-Zeitung vor meinen Ohren bemerkt : „Die wollen und können Texte. die Ihnen Experten und Wissenschafter ans Herz legen nicht lesen, ja nicht einmal zur Kenntnis nehmen. Wenn es nach unseren Genossen geht, wird all das eintreten, was schon im Ersten Bericht des Clubs of Rome dargestellt wurde, nämlich eine verheerende menschengemachte Klimakatastrophe und deren Auswirkungen auf uns alle. Und sie werden sämtliche Warnungen sowohl aus unseren Reihen als auch von anderen Natursensiblen vom Tisch wischen und behaupten, das sei alles übertriebener Alarmismus. Wenn sie aber bemerken, dass wir recht hatten, wird es längst zu spät sein und ihre Kinder und Enkel müssen dann mit der von ihren Eltern und Großeltern ruinierten Umwelt leben, oder besser gesagt, sie werden wahrscheinlich daran sterben.“

Wie weise war Paul Blau doch – und wie verantwortungslos und ohne Empathie sind viele der SP Funktionäre sogar heute noch.

Anm. Irmi Novak:

„Grenzenlose Gier nach Geld und Vergnügen macht Menschen krank und die Welt kaputt“.

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Feierstunde von ORF entstellt

ZITAT aus Falter Maily #801

Es war nur ein Moment in einer Feierstunde. Im Kongresssaal des Kanzleramts gedachte man des Tages der Befreiung vom Nationalsozialismus. Der Historiker Stefan Karner hielt eine Haupt- und Staatsrede, in der es mich ein paarmal riss. Ein Zwischenschnitt in der ORF-Übertragung, die ich mir anschaute, zeigte kurz einen Heinz Fischer, dessen Hand seinen Oberschenkel nervös tätschelte, ein Ausdruck von Unbehagen, der bei diesem beherrschten Mann etwa das bedeutet, was bei mir einem Schlag mit einer Axt mittlerer Größe in einen groben Holzklotz gleichkäme.

Als Karner beispielsweise sagte, Karl Renner habe im Auftrag Stalins die Zweite Republik gegründet, aber nicht erwähnte, dass Renner selbst die Initiative ergriff und erst – nach kurzem Zögern Stalins – den Auftrag erhielt, da klang das doch in meinen stumpfen Ohren die Sache beinahe so, als habe Stalin die zweite Republik Österreich gegründet.

Und als Karner erwähnte, Bundeskanzler Franz Vranitzkys Bekenntnis, Österreich bekenne sich zu seiner Mitschuld an den Missetaten des Dritten Reichs, sei auch auf internationalen Druck zustande gekommen, dann unterschlug das, dass sämtliche Kanzler zuvor diesem Druck nicht nachgegeben hatten. Wenn Karner im gleichen Atemzug erwähnte, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel habe mit den Wiedergutmachungszahlungen ein weiteres wichtiges Kapitel der Auseinandersetzung mit Österreichs Vergangenheit geschrieben, und dabei nichts von internationalem Druck sagte, der in dieser Angelegenheit mindestens ebenso groß war wie vor Vranitzkys Erklärung, dann hörte ihr zwar schon leicht alterstauber Zeitzeuge doch die Nachtigall trapsen.

Auch Zungenschläge können harte Schläge sein. Andererseits ist es eben Österreich, wenn den offiziellen Historikern die parteiliche Sympathie beim Sakkotascherl herausschaut wie ein Stecktuch. Es ist ja auch nicht so wichtig. Es wurde nur live im Fernsehen übertragen.

Noch weniger wichtig war eine Begebenheit am Ende der Feierübertragung. Gespielt wurde das Larghetto aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenquintett K. 581, eines der größten Musikstücke und „von feinster Art“, wie der Musikwissenschaftler Alfred Einstein das ausdrückte. Die Regie des ORF erwies sich demgegenüber als musikalisch unfein, inkompetent oder unvorbereitet. Jedenfalls zeigte sie treffsicher jeweils jene Musikerinnen, die gerade musikalisch weniger Bedeutendes zu sagen hatten. Dann spielte sie den Abspann hinein, und kurz danach brach die Übertragung ab – mitten im Musikstück.

So etwas tut man nicht. Schon gar nicht als der öffentlich-rechtliche Sender einer Nation, die sich selbst als Kulturnation rühmt. Aber die Kultur haben sie eh ans Radio und an ORF III delegiert, es herrscht diesbezüglich Arbeitsteilung. Kulturlosigkeit in den Hauptsendern, Kultur als Spartenproblem. Wie bei der Gedenkfeier: zur Garnitur zwischendurch, als Zeitvertreib, bedeutungslos.

Man spielt im ORF übrigens meist auch nicht die Nachspänne von Filmen. Die kostbare Zeit wird für Werbung benötigt. Die gleiche Folge der Krimiserie „Tatort“ im ORF unterscheidet sich von jener in der ARD dadurch, dass in Österreich der Nachspann abgeschnitten wird. Das ist keine kleinliche Meckerei. Der Nachspann von Filmen zeigt, wer mitgewirkt hat, er gibt in den Credits den Produzierenden Kredit. Es ist ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung, sich das anzusehen. Ich weiß, im Kino gilt es als altmodisch, man steht auf und beeilt sich, als erster zum Ausgang zu kommen; nur altmodische Cineasten bleiben hocken und sehen sich die ganze Namensliste an.

Diese Art von Respekt mag altmodisch sein; sie gehört zu jenen altmodischen Dingen wie das Bemühen um Äquidistanz, Überparteilichkeit und Genauigkeit, die man von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarten kann und die ihn von einem privaten unterscheiden sollten wie eine Republik von einer Firma. Aber sie kennen mich ja, in diesen Dingen bin und bleibe ich kleinlich und verkniffen.

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Bauer und Bobo –

Das neue Leben des Christian Bachler

(Zitat!)

„In eigener Sache: Regisseur Kurt Langbein hat das Leben des Bauernrebellen Christian Bachler verfilmt und auch im Falter gedreht. Ein Gespräch mit Bachler über seinen schuldenfreien Betrieb, die Ukraine-Krise und die kommende Not der Bauern

Florian Klenk

NATUR, FALTER 16/22 vom 19.04.2022

Bachler beim Filmdreh im Gemeinschaftsschlachtraum: „Corona hat unsere Abhängigkeit von der Gastronomie gezeigt“ (Foto: Langbein & Partner)

Ein Wutvideo, ein Praktikum, eine Spendenaktion: vor drei Jahren begann eine ungewöhnliche Freundschaft. Nach einem Streit über das sogenannte Kuh-Urteil und einen Diss auf Facebook lernten sich der Bergbauer Christian Bachler und Falter-Chefredakteur Florian Klenk bei einem von Bachler angetragenen „Praktikum“ auf seinem Bergerhof bei Murau kennen. Bachler führte Klenk in die Welt der Landwirte ein und zeigte dem „ahnungslosen Oberfalter aus Wien“, was Fleischindustrie, Klimawandel und das Bankensystem in den hintersten Regionen anrichten.

Klenk schrieb eine Reportage, eine Freundschaft entstand. Dann kam eine existenzbedrohende Nachricht eines Nachbarn: Bachlers Hof stand zur Versteigerung an, er war hochverschuldet. Subventionen fielen aus, Preise verfielen, Bachler steckte den Kopf in den Sand, die Bank blieb hart und wollte Bachlers Almen verkaufen lassen. Klenk verließ seine Rolle als distanzierter Berichterstatter, organisierte mit Helfern (Michael Pilz, Christina Aumayr-Hajek und Niko Hofinger) für seinen Freund eine Spendenkampagne, in der 13.000 Menschen den Betrieb retteten. Danach machte Bachler ein Praktikum beim Falter und Klenk schrieb ein Buch über Bachlers Welt und die alltägliche Sklaverei der Bauern in einer globalisierten Agrarwelt.

Zeitgleich drehte der Filmemacher Kurt Langbein einen Dokumentarfilm über diese Geschichte („Der Bauer und der Bobo“). Aus Anlass der Premiere des Films diese Woche (er wird in über 50 Kinos in ganz Österreich gezeigt) hat Klenk bei Bachler nachgefragt, wie sein Leben nach der Spendenaktion weitergegangen ist und wie die Corona-Pandemie und die Ukraine-Krise die Landwirtschaft in Österreich verändert.

Florian Klenk: Vor mehr als einem Jahr haben 12.829 Spender exakt 416.811 Euro gespendet, damit du deine Schulden bei der Raiffeisenbank Murau bezahlen kannst. Die Spenden waren wohl auch ein Solidaritätsgruß an einen Bauern, der einen anderen Weg wagte und dabei an sich, dem System und der Bank gescheitert ist. Wie ist deine Geschichte dann weitergegangen?

Christian Bachler: Dieser Lotto-Sechser – anders kann ich es nicht bezeichnen – war eine riesige Erleichterung, meine Chance, aber auch ein Auftrag. Zuerst habe ich also einmal alle Schulden bezahlt und mir einen kleinen Scherz erlaubt und in die Buchungszeile „Rückzahlung Raiffeisen Mafia“ geschrieben. Ein Bankmitarbeiter schrieb: „Oida, was tust du da umadum überweisen. Wir haben Schlüsselworte, da löst du bei uns Alarm aus.“ Aber im Ernst: Ich war eigentlich ganz froh, dass dann der Lockdown kam. Es war Zeit zum Nachdenken.

Aber nicht lange, wie man auf deiner Facebook-Seite mitbekommen hat. Dort postest du vor 40.000 Fans jeden Tag aus dem Leben der Tiere.

Bachler: Die Direktvermarktung über meinen Webshop ist regelrecht explodiert. Warum? Es war eine Kombination aus der medialen Prominenz, aber nicht nur. Mein Herumkasperln auf Facebook, meine lustigen Videos und meine politischen Kommentare haben viele Leute in Zeiten der Krise abgelenkt. Die Leute konnten lachen, aber auf einmal auch nachdenken, woher sie ihre Produkte beziehen.

Was hat sich durch die Schuldenfreiheit im Betrieb geändert? Deine Mutter meinte bei den Dreharbeiten: „Wer Schulden hat, wird stumm.“ Das war ein Satz voller Traurigkeit.

Bachler: Ich habe viel aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und zu kooperieren begonnen, etwa mit zwei Bäuerinnen in der Umgebung. Wir setzen nicht auf Masse, sondern auf Qualität, auf das Veredeln, auf die Kooperation vor Ort und den direkten Kontakt zu unserer Kundschaft. Wir haben ja alle richtig geile Produkte und vermarkten sie nun gemeinsam. Ich schlage keine Marge drauf, wenn die Nachbarn über meinen Webshop verkaufen, sondern wir kooperieren.

Wie funktioniert das genau?

Bachler: Eine Bäuerin macht das Controlling, eine andere macht Social Media. Wir haben eine bargeldlose Kooperation. Sie produzieren Liköre, Tees, Marmeladen, viele pflanzliche Sachen, aber auch Speckknödel und Leberknödel, die wir gut verpackt und isoliert in Schafwolle verschicken. Auf einmal konnte ich Teile meiner Tiere veredeln, die früher nur Hundefutter waren. Statt des Züchtens bin ich vor allem auch ins Veredeln meiner Produkte gegangen, da liegt der wirtschaftliche Mehrwert. Wir schauen, dass wir Tiere züchten, die von dem leben, was ihnen die Natur bietet – das spart das Zukaufen von Futter und Energie. Ich kümmere mich nun viel stärker um die Zeit nach dem Tod des Tieres. Früher habe ich das Tier zum Veredeln abgegeben und auf die Rampe des Viehhändlers gestellt – fertig. Jetzt mach ich das selber. Früher schickte ich drei Packerln an die Tante Hermi in Wien. Jetzt sind es bis zu 700 Packerln vor Weihnachten. Pro Monat. Das hat mich schon ziemlich beschäftigt.

Was macht ihr noch gemeinsam?

Bachler: Wir schlachten zum Beispiel gemeinsam Stiere im eigenen Gemeinschaftsschlachthof, statt sie hunderte Kilometer transportieren zu lassen. Es ist eine Kooperation entstanden, die wirklich Freude macht. Ich konnte ja die Arbeit alleine nicht mehr stemmen, ich wäre kaputtgegangen. Mittlerweile haben wir immer mehr Leute, die ihre Produkte bei mir mitverkaufen. Ich muss schon wieder eher auf die Bremse treten.

Du bist also so etwas wie das Amazon der Nachbarn von Murau geworden.

Bachler: Ein bisserl, aber ohne Provision! Aber es stimmt: Wir haben eine digitale Plattform geschaffen, wo alle gewinnen. Social Media ist für uns Bauern der Traktor des 21. Jahrhunderts geworden. Online-Shops und die Social Media revolutionieren die Landwirtschaft gerade so wie die Traktoren vor 100 Jahren. Wir können mit dem Weltmarkt nicht mehr mithalten, das zeigt Corona, das zeigt die Ukraine-Krise. Wir müssen daher einen anderen Weg finden, den direkten Weg zu unseren Kunden. Und seit ein paar Jahren geht das dank Facebook, Airbnb und unserem Webshop. Wir kleinen Bauern sitzen jetzt in der Steiermark am höchsten Bauernhof und können auf einmal mit zwei Millionen Menschen aus Wien kommunizieren, ohne die Bauernzeitung oder Großhandelsketten dazwischenzuschalten. Das gab es vor kurzem noch nicht. Das verändert die bäuerliche Welt, das hilft vielleicht auch den Regionen. Ich habe auch unzählige Whatsapp-Gruppen, in denen wir uns mit unserer Kundschaft, aber auch untereinander vernetzen. Politiker und Interessenvertreter macht das nervös, weil sie nicht mehr die Informationshoheit haben. Sie haben ja auch davon gelebt, die Bauern und die Städter gegeneinander aufzubringen, sie haben von der Polarisierung gelebt und davon, uns auszunehmen

Wie haben Bauern die Corona-Pandemie erlebt?

Bachler: Zuerst war mir diese Ruhe durchaus angenehm. Ich konnte ja, im Gegensatz zu Städtern, immer draußen sein. Aber ich hab gemerkt, alter Schwede, ich werde da oben in der Einsamkeit langsam dumm. Ich wusste, wenn ich nicht bald Kontakt zu den Leuten aufnehme, rutsche ich in die soziale Isolation, so wie früher. Die ersten ­Kundengespräche sind mir fast schwergefallen.

Was produzierst du gerade?

Bachler: Ich habe Yaks, Mangalitza-Schweine und Alpenschweine. Letztere sind Rassen, die hier am Beginn des 20. Jahrhunderts heimisch waren. Sie verwerten alles, was hier anfällt. Ich muss wenig Getreide dazukaufen, schon gar nicht aus Brasilien. Und was du wissen musst: Diese Tiere sind, so wie der Yak, auch der Feind der Bank.

Wie das?

Bachler: Der Yak braucht, so wie das Mangalitza-Wollschwein oder unsere gute alte Landgans, keinen Stall. Diese Tiere sind der Gegenentwurf zur kreditfinanzierten Landwirtschaft, in der Monarchie gab es Millionen Mangalitza. Man braucht keinen Stall mehr, den man mit fossiler Energie heizen oder kühlen muss und damit auch keinen Kredit und somit auch keine Bank im Grundbuch. Das überzüchtete Dutch-White-Schwein in Dänemark muss hingegen im Sommer bekühlt und im Winter gewärmt werden und im Hochsommer müssen belarussische Hilfsarbeiter die Rüssel mit Sonnencreme einschmieren, weil sie sich sonst die Schnauze verbrennen im Freien. Das ist alles nur noch pervers.

Reden wir ein bisschen über die großen Krisen, Corona und Ukraine. Was macht das mit den Landwirten?

Bachler: Corona hat unsere Abhängigkeit von der Gastronomie gezeigt. Auf einmal ist die Molkerei auf der Milch sitzen geblieben, weil sie zu 90 Prozent in die Gastro liefert. Auf einmal sind Rinderedelteile liegengeblieben. Das Faschierte kam nicht mehr nach Serbien. So paradox es klingt: Unser Glück war, dass McDonald’s offen war, er ist ein Großabnehmer, der viel heimisches Rinderfaschiertes kauft. Die österreichischen Bauern haben auch gesehen, wie der Weltmarkt gegen sie arbeitet. Sie sind ihre Rinder nicht mehr losgeworden – und zugleich fuhren die Sattelschlepper mit ukrainischen und polnischen Billigrindern über die Grenze.

Kann das vielleicht zu einem Umdenken führen?

Bachler: Die großen konventionellen Betriebe werden spätestens im Herbst wirklich riesige Probleme bekommen, weil ihnen die Rohstoffe abhanden kommen. Um billig produzieren zu können, brauchen sie billige Futtermittel, billiges Gas, billiges Getreide und billigen Handelsdünger. Aber für die Produktion von Stickstoffdünger brauch ich Erdgas. Wenn der Dünger auf einmal statt 280 Euro 1300 die Tonne kostet, dann ist der Punkt erreicht, wo ein Betrieb keinen Sinn mehr macht. Auch die Spritzmittel bestehen übrigens aus Erdöl. Jede Traktorstunde braucht Diesel. Der billige Lkw-Transport braucht billigen Diesel. Da kommen viele Kostenfaktoren zusammen. Von den ausbleibenden billigen Erntehelfern aus der Ukraine rede ich da noch gar nicht.

Wohin führt das?

Bachler: Die heilige Kuh der modernen Landwirtschaft wird auf die Bretter geschickt. Kleine Betriebe, wie ich einen habe, haben nun einen echten Vorteil. Angst habe ich nur vor der Inflation, also vor schwindender Kaufkraft. Meine Sorge ist eine andere: Viele Betriebe werden wieder ihre Grundstücke verkaufen, die dann in Gewerbegebiete oder Bauland umgewidmet werden – und die Versiegelung wird weitergehen. Die Bauern benehmen sich dann wie Ärzte, die ihre Ordinationseinrichtung verkaufen.

Wie reagiert die Politik?

Bachler: Das wird spannend. Früher hieß es ja: „Super, dass du von 40 Rindern auf 170 aufgestockt hast, nur so kannst du bestehen!“ Und jetzt sagen die Politiker: „Das hättest du wissen müssen, was passiert, wenn sich die Futterkosten verdoppeln!“ Ich muss mir sehr auf die Zunge beißen. Es schwitzen jetzt jene, die damals auch schiach zu Kleinbauern wie mir waren.

In dem diese Woche anlaufenden Film, den wir mit Kurt Langbein gemacht haben, gibt es auch eine Szene, wo einige Nachbarn über dich reden. Du seist der Spinner, der ins Handy druckt, statt ordentlich zu mähen.

Bachler: Wenn du dein Leben auf den Kopf stellst und eine andere Richtung ­einschlägst, bist du schwer auffällig. Aber du wirst nicht nur verspottet, sondern es bildet sich auch ein Kreis von Gleichdenkenden. Solange die Leute über mich reden, ist es eine gute Werbung. Die Zahlen 2021 waren sensationell. Aus meinem Eigen­kapital kann ich nun ein paar Investitionen vornehmen und organisch wachsen. Ich bin stabil. Es wird hier nie wieder Kredite geben. „

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